Mein Abgesang auf den E-Post-Brief

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E-Post-Brief, was läuft da schief? Foto: flickr.com/Éole

Die im Folgenden geschilderten Abläufe und Ereignisse sind aus dem Gedächtnis rekonstruiert. Etwaige Übertreibungen sind nicht bewusst gewählt, können aber nach gefühlt 100 E-Post-Brief-Anmeldeschritten nicht ausgeschlossen werden.

Ouvertüre

Am Ende ist man ja oft schlauer. Als ich vor einer gefühlt sehr langen Zeit einen Artikel über den neuen E-Post-Brief gelesen habe, klang das nach einer gut durchdachten Sache. Die Post bietet jetzt sichere super-verschlüsselte verbindliche E-Mail an, ja endlich. Eine dieser Innovationen, die beleuchten, wie weitblickend Erfinder und Zukunftsgestalter wirklich sein müssen. Eine dieser Sachen, bei denen man sich gleich die Haare rauft, weil man auf diese Idee nicht selbst gekommen ist. Plötzlich klingt es logisch, dass wir in fünf Jahren alle nur noch super-sichere E-Mail verschicken. Und dann lachen wir alle über die Mailanbieter von früher. Lauthals lachen wir. E-Mail ohne super-sicher Verschlüsselung, fragt dann in fünf Jahren einer. So was von 2010, prusten dann alle in der super-sicher verschlüsselten Zukunft. Den Rest des Beitrags lesen »


Spricht hier jemand ECTS?

Beim Turmbau zu Babel hätte es kein größeres Chaos geben können, als in meinem ersten Seminar in diesem Semester. Kandidatenseminar. Wir schreiben eine Abschlussarbeit.

Anwesend: Zehn Leute in einem kleinen Seminarraum. Vertretene Studenten-Arten: Master nach alter Studienordnung. Master nach neuer Studienordnung. Soziologie-Diplomer. Bachelor, die neu zum Fach gewechselt sind. „Normale“ Bachelor. Und einen Germanistik-Diplomer.

Spricht jemand ECTS? Drei haben überhaupt keine Ahnung, was sie mit den Punkten anfangen könnten. Die einen Master können es in jenem Modul anrechnen lassen. Die anderen Master müssten mal versuchen, ob es in einem anderen Modul zählen könnte. Drei wissen, dass sie keine Punkte brauchen (ein Hoch auf das aussterbende Diplom). Und ein Bachelor bekommt sogar ganz regulär Punkte für sein Studium.

Alle Fragen geklärt. Nicht. Kann jemand Bachelor-Anforderungen in Diplom übersetzen? Neue Master schreiben etwa genau so viel in ihrer Abschlussarbeit wie alte Master. Alle 60-80 Seiten. Aber für beide gibt es andere Fristen. Bachelor hätten eigentlich eine kurze Frist und würden Themen gestellt bekommen. Eigentlich. Das ist aber nicht endgültig geklärt. So lange gilt einfach die alte Frist und die alte Seitenzahl. 40-60 Seiten. Ein Diplomer kann einfach abgeben, wann er will. 120 Seiten maximal. Und die anderen Diplomer: Wissen nicht, wann sie anmelden müssen.

„Aber eines ist klar“, sagt da der Prof. „Das nächste Semester beginnt am 1. April.“


Der UN Sicherheitsrat – langsam und veraltet!?

Das wichtigste Hufeisen der Welt. Foto: flickr.com//factoids

Gestern in New York hat Guido Westerwelle ganz viele Hände schütteln dürfen. Alle haben sie ihm gratuliert, dass Deutschland jetzt einen Sitz im UN Sicherheitsrat (UNSC) hat. Dafür hat Deutschland ja auch lange und fleißig geworben. Wäre das enttäuschend gewesen, wenn es nicht geklappt hätte. Wohlgemerkt ist es auch „nur“ ein nichtständiger Sitz, zwei Jahre dauert unsere Mitgliedschaft im UNSC.

Und bei aller Freude und der Diskussion um die neue Verantwortung von Deutschland, fehlt mir eines: Deutschlands Sitz im Sicherheitsrat ist global gesehen wohl eher eine Randnotiz. Den Rest des Beitrags lesen »


Starkregen greift Demonstranten an!?

Stuttgart21-Demo // (c) Sven Scholz

Stuttgart21-Demo // (c) Sven Scholz

Über dem Stuttgarter Schlosspark muss es am Donnerstagnachmittag ziemlich heftig geregnet haben. Oder waren das etwas doch Wasserwerfer, mit denen die Polizei Stuttgart21-Gegner wegspülen wollte? Kann ja fast nicht sein. Der Stuttgarter CDU-Stadtrat Alexander Kotz hat auf jeden Fall keine Wasserwerfer gesehen. Das hat er zumindest der Stuttgarter Zeitung erzählt. Vielleicht war er ja auch in einem anderen Park spazieren. Wasserwerfer sind nämlich kaum zu übersehen. Oder Herr Kotz wollte sie vielleicht gar nicht sehen.

Und das ist ärgerlich. Am Donnerstag werden in Stuttgart Hunderte Stuttgart21-Gegner verletzt – von Tränengas, Schlägen, Wasserwerfern – während sie für ihre Überzeugung demonstrieren. Wenn man Twitter glaub, ist sogar mindestens ein Mann bei den Ausschreitungen erblindet, was mir sehr leid tut. Doch einige Landespolitiker sind überhaupt nicht daran interessiert, die Situation zu entspannen. Deeskalation? Nix da. Lieber sticheln sie noch etwas weiter. Wer demonstriert ist doch sowieso selbst schuld, wenn ihm dabei etwas passiert. Den Rest des Beitrags lesen »